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MÜLLDEPONIE 2005

Gletscher- und Hausmüllberge in Golm




 

Am 8.Juni 2005 trafen sich auf Einladung der BUND Ortsgruppe Golm wohl an die 40 interessierte Golmer Bürger am Eingangstor der ehemaligen Golmer Deponie. Man wollte wissen, wie der Stand der Sanierung ist und wie es weitergeht. Nach der Begrüßung durch Herrn Siegfried Mohr, den Golmer BUND Vorsitzenden, führten Herr Wiedemann, Vertreter der Stadtverwaltung Potsdam (Bereich Umwelt und Natur), und Herr Lups von der Sanierungsfirma, ARGE Golm, die Gäste auf die „Müllhalde“ und erläuterten das Bauvorhaben „Sicherung, Sanierung und Rekultivierung Deponie Golm“ und beantworteten geduldig zahllose interessierte Fragen.

Ein wenig Informationen zur Geschichte der Deponie.
Die ehemalige Deponie Golm liegt am westlichen Rand der Ortschaft Golm, im Niederungsgebiet des Golmer Luchs. Der ehemalige Deponiekörper umfasst eine Fläche von ca. 16 ha, mit einer max. Höhe (des Mülls) von 10 m. Am Deponiestandort begann im Zeitraum 1945-1950 eine kontinuierliche Abfallablagerung. Bis zur Umwandlung des Standortes 1974 in eine "geordnete Deponie" wurden auf einer Fläche von 7,6 ha Siedlungsabfälle in einer Schicht von 5 m ohne Bodenabdichtung verkippt.




 



 

Die Zustände der Deponie kann man auf dem Foto von 1971 erahnen und Frau Mohr berichtete, dass damals riesige Möwenschwärme Futter auf der Kippe suchten und bei ihren Ruhepausen die nahe gelegene Schweinemast der LPG heimsuchten und mit ihren „Hinterlassenschaften“ alles verschmutzten, es sogar zu Krankheiten bei den Schweinen gekommen ist. Entsprechend einer Entscheidung des ehem. "Rates des Bezirkes Potsdam" wurde der Müllplatz Golm 1973 im Zusammenhang mit der Umwandlung in eine "geordnete Deponie für unzerkleinerte feste Siedlungsabfälle" auf ein 16 ha großes Areal erweitert.
Nach der Wende wurde der Beschluss gefasst, die Mülldeponie stillzulegen und zu sanieren. 1990 wurden die ersten Untersuchungen über die von der Deponie ausgehenden Belastungen eingeleitet. Im gleichen Jahr wurde die weitere Nutzung unterbrochen, um einerseits das Gefährdungspotential der Deponie ausreichend zu erkunden und andererseits die Notwendigkeit eines eventuellen Weiterbetriebes vor dem Hintergrund der unzureichenden Entsorgungssicherheit der Stadt Potsdam geprüft. Im Zeitraum von 1991 - 1994 wurde eine Gefährdungspotentialabschätzung und gastechnische Voruntersuchungen (Gasabsaugversuche) durchgeführt sowie Planunterlagen zur Sicherung / Sanierung und Rekultivierung der Deponie Golm erstellt und beim Landesumweltamt Brandenburg eingereicht.
1994 hat die Stadt Potsdam als Betreiber der Deponie Golm die Stillegung der Deponie gemäß §10 a Abfallgesetz dem Landesumweltamt angezeigt. Als Inhaber der Deponie ist die Stadt für deren ordnungsgemäße Schließung und Rekultivierung verantwortlich. Von der Stadt wurde die Baumaßnahme "Bau einer aktiven Entgasungsanlage mit anschließenden Sicherungs- und Rekultivierungsmaßnahmen" ausgeschrieben. Die ARGE Golm wurde mit der Ausführung der Baumaßnahme beauftragt.

Im Zuge der Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen wurde eine Anlage zum Absaugen und Verdichten von Deponiegasen mit anschließender vollständiger Verbrennung in einer Hochtemperaturfackel errichtet. Diese Deponiegasentsorgungsanlage besteht aus folgenden Komponenten: 30 Gaskollektoren, div. Gassammelleitungen, 3 Gasregelstationen, 5 Kondensatschächte, 3 Gassaugleitungen, 1 Gasverdichterstation mit Hochtemperaturfackel, die das anfallende Deponiegas mit 1200°C nahezu rückstandsfrei verbrennt. Das Deponiegas entsteht vorwiegend beim anaeroben Abbau (saure Gärung) der organischen Stoffe im Deponiekörper. In der Gärungsphase werden die organischen Säuren zu Methan und Kohlendioxid umgesetzt. Durch die unterschiedliche Zusammensetzung des Mülls sowie unterschiedlicher Milieubedingungen ist Deponiegas ein nicht normiertes Gas, das in dem Müll zum Teil giftige Spurenstoffe enthält. Bei einer entsprechenden Gasproduktion entsteht innerhalb des Deponiekörpers ein Überdruck und das Deponiegas kann unkontrolliert in die Atmosphäre gelangen. Um diese von der Deponie ausgehenden gasförmigen Emissionen und damit einhergehende Umweltbelastungen (Geruchsbelästigung, Brand- und Explosionsgefahr etc.) so weit wie möglich zu vermeiden, ist die Errichtung einer Deponiegaserfassung und -behandlung erforderlich.

Erstaunlicherweise tritt weniger Gas aus der Deponie aus als erwartet. Offensichtlich ist der Anteil verrottbarer Bestandteile gering. Eine energetische Nutzung des auf der Deponie Golm erfassten Deponiegases ist aufgrund der Zusammensetzung, Qualität und des geringen Aufkommens wirtschaftlich nicht möglich. Das Gas wird daher in der Hochtemperaturfackel umweltfreundlich und nahezu vollständig beseitigt.
Die Mülldeponie wird mit geeigneten Materialien z.B. Bodenaushub, Bauschutt sowie Schlacken aus Müllverbrennungsanlagen bedeckt und die Oberfläche gestaltet. Insgesamt erscheint die Deponie letztendlich wie ein in der Landschaft liegendes Brot, im Detail aber sollen schon 3 Kuppen auf der Deponieoberfläche geschaffen werden. Die Höhe der Deponie wird nur ganz knapp letztlich unter der des Reiherberges liegen. Golm hat somit zwei Berge. Einen aus der Eiszeit – Gletschermüll - und einen aus der Neuzeit – Hausmüll! Die Verfüllung und Oberflächengestaltung (Profilierung) des Deponiekörpers wird wahrscheinlich in etwa 2 Jahren abgeschlossen sein. Es wird dann eine Oberflächenabdichtung bestehend aus einer Ausgleichsschicht, einer mineralischen Oberflächenabdichtung (50 cm) und zuletzt einem Oberboden (50 cm) aufgebracht. Begleitend zu den Baumaßnahmen werden umfangreiche Untersuchungen des einzubauenden Materials, des Grundwassers und der Gasbildung durchgeführt.
Ein Wegenetz und bepflanzte Bereiche werden angelegt, sowie Bereiche, die der Natur überlassen werden. Schon jetzt konnte beobachtet werden, dass die Natur Einzug gehalten hat. Ein Hase sprang uns über den Weg, eine Uferschwalbenkolonie hatte sich in einem Abbruchhang Bruthöhlen gegraben, zahlreiche Pflanzen ergriffen von der Deponie Besitz, sobald Bereiche nicht mehr bearbeitet wurden und die Deponiearbeiter berichteten, dass Fuchs und Schwarzwild wohl zu schätzen wissen, dass der Mensch keinen Zutritt zu dem Gelände hat..
Was soll aus der Deponie in der Zukunft werden? Alle Golmer hoffen darauf, dass die Deponie als Ausflugsgebiet in das Wegenetz eingebunden wird, die Kinder betrachteten schon einmal den steilen Südhang im Hinblick auf die Rodelqualitäten, denn schließlich wuchert die Rodelbahn am Nordhang des Reiherberges mit Brombeeren zu und ist kaum noch benutzbar (Lieber Ortsbeirat, vielleicht kann man hier mal etwas machen?). Allerdings wurde durch das Landesumweltamt Brandenburg nach Abschluss der Rekultivierungsmaßnahme eine 25-jährige Nachsorgepflicht angeordnet. In dieser Zeit muss die Deponie auf Setzungserscheinungen (oberflächliche Einbrüche) beobachtet werden. Der rekultivierte und begrünte Deponiekörper bleibt somit weiterhin für die Öffentlichkeit gesperrt. Eine Nutzung der ca. 16 ha umfassenden Fläche wird nach heutiger Kenntnis in diesem Zeitraum leider nicht möglich sein.
Vielleicht weisen die geringen Gasausscheidungen darauf hin, dass kaum noch Rottevorgänge in der Müllhalde ablaufen und die Landesbehörde lässt sich von einer früheren Öffnung und Freigabe überzeugen. Allerdings! Für den Naturschutz wäre eine dauerhafte vollständige Sperrung einer so großen Fläche ein Glücksfall, der vielen Tieren und Pflanzen ein ungestörtes Refugium böte.

Dr. Rainer Höfgen, Golm
Jens Wiedemann, Sachinformationen, ARGE Golm




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