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DER BAUM |
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Mein Freund, der Baum
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Ostermontag 1994
Ein Baum im Ortskern von Golm wurde gepflanzt. Eine Platane. Bis dato fehlte diese Art in der gesamten Gemarkung. Die Pflanzung wurde begleitet mit einem Spruch: „Pflanz” einen Baum und kannst Du es auch nicht ahnen wer einst in seinem Schatten tanzt: Bedenk es haben Deine Ahnen, eh sie Dich gekannt, auch einen Baum für Dich gepflanzt!“ An diesem Tag wurde zur Wanderung über den Reiherberg eingeladen. Den Schlusspunkt bildete dann die feierliche Pflanzung. Mit dieser Pflanzung am heutigen Tage, erhielt der Baum den Namensbegriff „OSTERPLATANE“. Für künftige Generationen nachlesbar in den Annalen der Gemeinde. Also an der Straßenecke Reiherbergstraße / Weinmeisterstraße. Ein markanter Baum am Eingangsweg zum Reiherberg. Zur Gesellschaft wurden noch zwei weitere Platanen an markanten Plätzen des Ortes in die Erde gepflanzt. Eine in der Geiselbergstraße am Südende des Wohnblockes, sowie eine in der Karl-Liebknecht-Straße vor Beginn des Universitätsgeländes. Die Spruchbegleitung bei der Pflanzung am Ostermontag 1994 verlangt von uns „Jetzigen“ Tun und Hochachtung für unseren Freund, den Baum. Denn Bäume haben es in sich, älter zu werden als wir. Da stellt sich sofort die Frage: Wer ist bei uns der liebenswerte „Alte“ unter den Bäumen? Wenn wir der Chronik folgen, ist am Ende des Befreiungskrieges 1813 auf der (damals) noch kahlen Nordseite des „Reyherberges“ zur steten Erinnerung eine Eiche gepflanzt worden. Sie bekam die Bezeichnung „FRANZOSENEICHE“ und zählt damit heute stattliche 181 Jahre. Zum gleichen Zweck, an ein gesellschaftliches Ereignis geknüpft, wurde 1871 eine Eiche auf dem Kirchplatz (heute Bushaltestelle ‚Kirche gepflanzt. Sie trägt die Bezeichnung „FRIEDENSEICHE“. Dieser Baumfreund steht also schon 123 Jahre. Bei allen genannten Bäumen wissen wir natürlich nichts von seinem „Pflanzalter“. Im Vergleich dieser beiden Eichen ist ihr Wachstum an den extrem auseinanderliegenden Standorten bemerkenswert. Obwohl die FRANZOSENEICHE rund 60 Jahre älter ist als die FRIEDENSEICHE, misst sie doch im Stammumfang in einem Meter Höhe ganze 1,30 m weniger (Franzoseneiche 2,50 m, Friedenseiche 3,80 m). Somit mag der aufmerksame Wanderer den Eichen am Abbruch des Berges gen Westen, die ihm noch jung erscheinen, ruhig einige Jahrzehnte zurechnen, bedingt durch ihren harten Lebenskampf an exponiertem Standort. Die neue Kirche wurde am 24.07.1886 eingeweiht. Zu den Feierlichkeiten wurde in der Nähe des für den Kirchenbau geplanten Abessiner Brunnens eine PYRAMIDENEICHE gepflanzt. Auf überlieferten Fotos sieht sie recht stattlich aus. Ihr Pflanzalter kann man nur ahnen. Doch von 1886 bis heute zählt sie immerhin 108 Jahre. Ihr Stammumfang in einem Meter Höhe beträgt 3,75 m. Dazu eine kleine Begebenheit: Als eine Behinderten-Gruppe von Kindern auf ihrer Rundfahrt auch an der Kirche in Golm Halt machte, ergab sich in vielfältiger Frage und Antwort auch die Frage nach diesem Baum, bedingt durch die Auffälligkeit der meist nach oben stehenden Äste. Als die Kinder von mir das Alter erfuhren, ging spontan ein 12-jähriger Junge auf den Baum zu und streichelte ich. Eine Geste ohne Worte. In der Gesamtgestaltung der Begrünung um die „Neue Kirche“ wurde auch ein „EIBE“ gepflanzt, mit sechs Metern Abstand von PYRAMIDENEICHE. Diese EIBE ist also noch keine „1000-Jährige“, aber über 100 Jahre hat sie auf dem Buckel. An der Erdoberfläche misst diese EIBE 1,21 m Umfang. Das entspricht abgerundet einem Durchmesser von 40 cm! In jüngeren Jahren muss sie jedenfalls sehr wüchsig und buschig gewesen sein. Denn spitzbübisch erzählte mir ein Golmer (Jahrgang 1936), dass sich viele dankbar mit ihrem Grün für Grabeindeckungen zum Totensonntag dort freimütig bedienten. Etwas über 100 Jahre, also gepflanzt etwa am Ende des 19. Jahrhunderts, sind unsere im Ort befindlichen MAULBEERBÄUME. 1990 hatten wir noch acht Bäume. Jetzt sind es bloß noch vier aus damaliger Zeit. Die anderen sind Sturm, Pilzbefall und Säge zum Opfer gefallen. Dem MAULBEERBAUM auf dem Hof „Fritze“ unweit der jetzigen OSTERPLATANE, der durch Stürzen am 14.12.1992 fiel, wurde eine Baumscheibe abgetrennt und durch Auszählen der Jahresringe das Alter bestimmt. Die beiden größten Exemplare stehen noch an der Sandstelle in der Nähe des Buswendeplatzes am Reiherberg in der Geiselbergstraße. Weiter folgend die nächste vor dem Eingang der Kirche, dann eine weitere vor der Bahnunterführung in der Reiherbergstraße. Dass die beiden Maulbeeren an der Sandstelle Reste einer Baumreihe waren, bewahrheitete sich nicht. Auf einem Foto von 1921 stehen nur diese beiden! Etwas im Hintergrund dieser zwei MAULBEEREN befindet sich eine pyramidal wachsende EICHE. Diese bedarf bei jeglicher Nutzungsgestaltung der Fläche unbedingt Schutz. Ihre Herkunft und ihr Alter sind unbekannt. Maulbeerbäume machen immer den Eindruck, als sei der Baum tot. In unseren Breiten frieren sie jeden Winter stark zurück und zählen außerdem zu den im Frühjahr besonders spät austreibenden Gehölzen. Alle genannten Maulbeerbäume sind weißfruchtig und süß. Auf kommunalem und privatem Grund wurden in den letzten Jahren junge Maulbeerbusche gepflanzt. Auf dem kleinen Dreieck (Südaufgang zum Reiherberg in der Geiselbergstraße) wurde 1994 ein kräftiger Jungbaum einer schwarzfruchtigen MAULBEERE gepflanzt. Unsere Vorväter waren nicht untätig, verschiedentlich Bäume einzeln oder in Gruppen im Dorfbild einzufügen. Hier seien die knorrigen Kastanien, die stämmigen Scheinakazien (volkstümlich auch Robinien / Akazien) im Dorfkern, die Pappeln und Weiden in umgebender Wiesen-Luchlandschaft genannt. Bis in unsere heutige Generation setzt sich eine ausgesprochene Liebe zur Birke fort. Unzählige, meist sehr gesunde, starke alte und viele junge Birken stehen auf privatem Grund und betonen mit alten Obstbäumen unsere heimaltiche Wohnlandschaft. Knorrige Dorflinden fehlen dem Ort. Zum Tag der Einheit wurde von Naturfreunden eine mehrjährige Linde auf dem Platz der Buswendestelle gepflanzt. Die Linde stammt aus der „Natur-Baumschule“ zwischen dem ehemaligen Müllplatz und dem Stichkanal, hat sich dort selbst ausgesät und konnte als pflanzfähiger Jungbaum am 3. Oktober 1990 zur Pflanzung als „EINHEITSLINDE“ verwendet werden. Somit hat auch unsere heutige Generation, erinnernd an ein Zeitereignis von geschichtlicher Bedeutung, einen Baum gepflanzt, getreu der Ahnen, die es vor uns taten. Der Golmer Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat ohne Aufhebens diesen Baum mit einem Findling und historischem Datum versehen! Daran gedacht? Von 1994 bis heute: „Unser Freund der Baum“ ist älter geworden!! Wir auch.
Siegfried Mohr, Golm
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