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GOLMER LUCH
 

Sind Sie schon einmal durch das Golmer Luch gewandert?

Wenn Michael Succow, Landschaftsbiologe und Träger des Alternativen Nobelpreises, sagt, eine weite Moorlandschaft gebe nicht nur den weiten Blick in die Ferne frei, sondern führe auch zu freien und neuen Gedanken, dann ist das für jemand, der in der abwechslungsreichen Landschaft eines Mittelgebirges aufwuchs, nicht sofort nachzuempfinden. Der muss sich ein verhältnismäßig karges Landschaftsgebiet wie das Golmer Luch erst erschließen. Doch auch wenn die Fauna und wohl ebenso die Flora durch diverse menschliche Einflüsse bei weitem nicht mehr so vielfältig sind wie sie das ursprünglich waren, lohnen sich ein Gang oder eine Radtour durch das Luch auch heute noch, und das immer wieder.
Wer im Mai auf dem Golmer Damm zum Großen Zernsee geht, wird die Nachtigallen kaum überhören können. Die Populationsdichte ist hier noch verhältnismäßig hoch. Das ist nicht selbstverständlich, denn naturnahe an Unterholz reiche Biotope werden zunehmend zerstört. Das geschieht oft in guter Absicht: das „Saubermachen“ von Parks und Landschaften in der Umgebung von Wohngebieten oder das „Wiederherstellen alter Zustände“. Früher konnten die Tiere noch ausweichen, heute werden unsere Flächen zunehmend verbaut oder eben „sauber“ gemacht. Etwas Schlamperei ist für Pflanzen und Tiere oft besser.
Zurück zum Luch. Von ganz normalen Wegen aus kann man dort u.a. die unterschiedlichen Arten von Grasmücken, Laubsängern und Meisen, Kleiber, Spechte, Baumläufer, Drosseln und Goldammern entdecken. Besondere Aufmerksamkeit sollte ab Mai der klangvollen, meist dreisilbigen, flötenden Stimme des Pirols gelten. Er flötet im Laubwald links der Straße oder auch in höheren Bäumen unmittelbar neben dieser. Der Ruf (etwas du-lio-lia) lässt sich einfach nachpfeifen. Mitunter gelingt es dadurch, sich mit dem Pirol zu unterhalten. Der Warnruf hingegen ist kreischend und weniger harmonisch. Der Vogel hält sich meist in hohen Baumkronen auf. Die Farbe des Männchens ist gelb, die seiner Flügel und des Schwanzes schwarz, die des Weibchens graugrün bei dunkelgrauen Flügeln.
Von den im Winter durchziehenden Vögeln sind im April nur noch einige Graugänse zu sehen. Doch wer ab und zu auch einmal zum Himmel sieht, kann den Roten und den Schwarzen Milan entdecken. Beide Arten mögen sich jedoch während der Brutzeit nicht besonders. Dabei ist der rote Milan bei Streitereien durch seine Größe meist überlegen. Und auch einer der klügsten Vögel, der wohl manchmal zu Unrecht gescholtene Kolkrabe, fliegt oft über das Luch. Den gab es in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nur noch in drei Gebieten Deutschlands, darunter jedoch nicht mehr in Brandenburg. Sein Flugspiel und seine Laute während der Balzzeit können auch mäßig interessierte aber aufmerksame „Naturfreunde“ begeistern.
Der Fischadler, zu erkennen an der weißen Unterseite und dem möwenähnlichen Flugbild, ist mit etwas Glück fast das ganze Jahr, der Seeadler, der größte unserer Adler, mit etwas mehr Glück, weil seltener, ebenfalls anzutreffen. Der Graureiher hingegen kommt uns regelmäßig besuchen.
Wer sich die Mühe macht, eine nicht verbaute Stelle am Zernsee zu suchen, z.B. am Golmer Stichkanal oder der Fußgängerbrücke an der Wublitz, der wird beim Blick über Wasser und Himmel durch zahlreiche Wasservögel wie Stock- und Löffelenten, Blässrallen, Haubentaucher, Möwen und Seeschwalben belohnt. Die unterschiedlichen Gesänge der Rohrsängerarten kennen zu lernen, kann er jedoch sowohl direkt am Wasser als auch im Luch üben.
Auf keinen Fall sollte man aber bei der An- oder Abfahrt unsere Störche neben dem Kindergarten gegenüber der Kirche ignorieren. Doch für diese ist der Storchenvater Siegfried Mohr zuständig.
Zum Schluss noch etwas: Richtig haben Sie sich in Wald und Flur dann bewegt, wenn Sie von den Tieren kaum bemerkt wurden und der nächste Wanderer gar nicht wahrnimmt, dass da vor ihm schon jemand gewesen ist.
Und nun die besten Wünsche für große Erlebnisse.

Dr. Klaus Krannich, Golm