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LEBENSRAUM STREUOBSTWIESE „AM HERZBERG“
 

Seit sieben Jahren existiert nun schon die Streuobstwiese „Am Herzberg“. Angelegt wurde sie als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme für die Versiegelungen, die durch den Bau des Wohngebietes Am Herzberg vorgenommen wurden. Der Landschaftspflegeverein Potsdamer Kulturlandschaft hat die Maßnahme von Anfang an fachlich begleitet und ist seit 2008 mit der Pflege der Fläche und der Bäume beauftragt. Die ehrenamtliche Tätigkeit wird dankenswerter Weise durch engagierte Anwohner unterstützt. So konnten die neu gepflanzten Obstbäume bisher gut gedeihen und sind für Mensch und Tier ein wichtiger Bestandteil ihrer Umwelt geworden.

Nur wenige Biotope machen die enge Vernetzung von Natur, Landschaft, Kultur und Ernährung so deutlich wie die Streuobstwiesen. Als Kulturlandschaft sind ihre traditionellen Nutzungsformen vorbildlich an Boden, Klima und Gelände angepasst. Ihre nachhaltige Nutzung dient nicht nur der Produktion gesunder Nahrungsmittel - häufig auch für Obst-Allergiker -, sondern befördert zudem eine langsame Grundwasserbildung, schützt vor Erosion und dient der Frischluftproduktion.
Für den Naturschutz sind die Streuobstbestände wahre Paradiese. Mit zwei- oder maximal dreimaliger Mahd, gegebenenfalls naturverträglicher Beweidung ohne Einsatz synthetischer Pflanzenbehandlungsmittel, bieten sie einer enormen Vielfalt an Vögeln, Insekten, Kleinsäugern und Pflanzen eine Heimat. Beispielsweise findet hier auch der Gartenrotschwanz, Vogel des Jahres 2011, optimale Lebensbedingungen.

Die Auswahl der Bäume auf der Streuobstwiese „Am Herzberg“ erfolgte nach dem Grundsatz einer vielfältigen Mischung und unter Verwendung traditioneller Obstsorten. So wurden z. B. zwei sehr alte Kulturapfelsorten gepflanzt, die heute nur noch selten zu finden sind: Die Goldparmäne und der Rote Eiserapfel. Erstere wurde vermutlich schon im 13. Jahrhundert angebaut. Ihr ursprünglicher Name „Reine des Reinettes“ (Königin der Prinzessinnen) spiegelt die hohe Anerkennung, die der Apfel genoss, wieder. Der Rote Eiserapfel war bis in die 1950er Jahre hinein wegen seines guten Geschmacks und seiner hohen Lagerfähigkeit von bis zu einem Jahr weit verbreitet.
Darüber hinaus kann man bei einem Spaziergang noch den Rheinischen Bohnapfel entdecken sowie Pflaumenbäume, Birnen, Sanddorn, Haselnuss und Esskastanie. Vogelkirsche und Speierling, die bei Vögeln und Insekten sehr beliebt sind, wurden ebenfalls angepflanzt.

Es gilt nun, diesen noch jungen Lebensraum zu schützen, damit er sich ungestört in seiner Vielfalt weiter entwickeln kann. Dabei sind wir Ihnen für jede Unterstützung dankbar.




 

Wir möchten aber auch nochmals darauf hinweisen, dass die Entsorgung von Gartenabfällen und Müll nicht nur eine Ordnungswidrigkeit darstellt, sondern u. a. das Biotop auf unterschiedlichste Weise schädigen kann. Mehr Achtsamkeit im Umgang mit der Natur ist also geboten.

Jan Bornholdt für den Landschaftspflegeverein e.V.

Fotos: LPV, April 2011




 
 

Zauneidechse in der Streuobstwiese Am Herzberg. Die Zauneidechse ist eine geschützte Art. Da über 20 % der deutschen Vorkommen in Brandenburg sind, besteht eine besondere Verantwortung für die Art.