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VOM REIHERBERG
 

Vom Reiherberg

Am Fuße des Reiherbergs kuscheln sich zwei Kirchen, zwei Gaststätten und ein Hotel. Zusätzlich werden während des Sommers am Wochenende an der Kaiser-Friedrich-Kirche Kaffee und Kuchen angeboten. Also ist in geistlicher und körperlicher Hinsicht vorgesorgt. Man sollte aber die gastronomischen Angebote erst nutzen, nachdem man den Hügel bestiegen hat. Mit leerem Magen steigt man besser.




 
 

Der Reiherberg ist mit Eichenmischwald bedeckt, unterbrochen von Lichtungen. Eichen werden durchsetzt von Birken und Robinien, wenig Bergahorn, Traubenkirschen und Buchen, sowie Berberitze. Ausdauernde Frühlingsblüher fehlen auf dem xerophilen (trockenheitsliebenden: die Red.) nährstoffarmen Standort weitgehend.

Besteigen kann man den Reiherberg über drei Wege: von der Reiherbergstraße, von der Geiselbergstraße z.B. über die Treppe hinter der Kirche vorbei am Fingerhut hinter dem Friedhof oder von derselben Straße aus auf der hinteren Seite des Hügels.




 
 

Es gibt vom Reiherberg vier Aussichten. Eine Aussichtskanzel wurde im Jahr 2000 erbaut und gibt den Blick in Richtung Werder frei, über das Luch und den Zernsee. Links davon, nur einige Meter entfernt, erwartet uns ein erneuter Blick über das Luch und die Bahnstrecke nach Werder. Fast gegenüber, hinter der Kanzel, wird die Aussicht nach Grube und die dahinter liegenden Hügel frei. Und geht man in Richtung des Hohlweges zur Reiherbergstraße, sieht man zur Siedlung „Blaue Dächer“, dem Ehrenfortenberg und Eiche.

Die Rehe und Füchse, die auf dem Hügel leben, werden Sie am Tage dort kaum sehen. Doch der Reiherberg überrascht durch seine Vielfalt an Insekten und Vögeln. Im Frühjahr schwebt zwischen dem Buschwerk die Märzfliege, ein schwarzes Insekt, dessen Flügel in Ruhestellung bei Sonne wunderbar golden glänzt. Beim Aufstieg hinter der Kirche singen Zaunkönig, Kohlmeise, Blaumeise, Kleiber, Girlitz, Amsel und Buchfink. Später gesellen sich Weidenlaubsänger, der nach dem Gesang auch den treffenden Namen Zilpzalp trägt und Fitislaubsänger hinzu. Der Fitis singt – wie soll man es anders beschreiben – ähnlich einem äußerst schlappen und müden Buchfink. Ab etwa Mai, und darum beneiden uns eine Menge anderer Deutscher, die ihre Kulturlandschaft totgepflegt haben, hören wir die Nachtigall. Besonders zahlreich ist sie am steilen Hang Richtung Geiselbergstraße zu Hause. Dieser Hang unter der Aussichtskanzel ist zum Glück nur schwer zu begehen und dadurch ungestört. Doch sie singt auch an anderen Stellen, wie über dem „Landhotel Potsdam“, genauso wie die Singdrossel. Deren Gesang hat Ähnlichkeit mit dem der Amsel. Aber sie wiederholt ihre Strophen. Außerdem schmettert sie ihre Melodie in Dur und nicht in Moll wie ihre schwarze Verwandte. Aber das sollte man vor Ornithologen vielleicht nicht äußern. Es kann sein, man erntet ein mitleidiges Lächeln. Doch das ist sehr lange her.

Im Mai, wenn die jungen Stare in den vom Buntspecht im Vorjahr gebauten Bruthöhlen schilpen, gesellt sich auch auf dem Reiherberg ein durch Gesang und Aussehen auffälliger Vogel hinzu: der Pirol. Häufiger als den schönen flötenden Gesang hört man den Warnruf, ein heiseres Krächzen. Hat man das Glück, das Männchen zu sehen, glaubt man in den Tropen zu sein. Da leuchtet Gelb neben schwarzen Flügeln und rotem Schnabel. Das Weibchen ist graugrün und weniger auffällig.

Und da sind noch die Grasmücken, die vor allem durch ihren Gesang, weniger durch ihr Aussehen auffallen. Sie lassen sich besonders durch ihre Stimmen bei einiger Übung unterscheiden. Die Mönchsgrasmücke hat einen zweistrophigen Gesang. Sie beginnt leise zwitschernd, um dann zum sogenannten Überschlag zu wechseln, zu lauten Flötentönen ähnlich denen der Amsel. Die Dorngrasmücke hat kurze, rauhe und schwatzende Strophen und im Gegensatz zur Mönchsgrasmücke eine graue statt einer schwarzen Kappe.

Da das Leben auf dem Reiherberg auch durch ein vielfältiges Insektenleben bestimmt wird, kann, wer möchte, auf der Südseite in der Nähe der Hochspannungsleitung zwischen Schafschwingel u.a. Schlupfwespen, Ameisenlöwen und kleine Heuschrecken beobachten. Ameisenlöwen graben kleine Bodentrichter. Rutscht eine Ameise am Rand ab, wird sie mit Sandkörnern beworfen, am Boden gepackt, vergiftet und aufgefressen. Aus dem Ameisenlöwen wird später die geflügelte Ameisenjungfer?

Text und Fotos
Klaus Krannich,
Juli 2008, Golm